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Dezember 2015 Innere Schönheit

Während meines Medizinstudiums konnte ich erkennen, wie viel strukturelle Schönheit im menschlichen
Körper steckt. Sie entsteht dabei aus der Verschmelzung von Form und Funktion.
Diese Schönheit aus dem Inneren ans Tageslicht zu bringen steht für mich beispielhaft für die Schönheit, das
Versprechen der menschlichen Existenz im Individuum und in der Gemeinschaft. Kann es sein, dass wir den
Kern unserer Natur seit Jahrtausenden mit einer dicker, aber spröder werdenden Oberfläche abdecken?
Mögen die fertigen Objekte auch wie gewachsen und als reine Abbildung der histologischen oder anatomischen
Struktur wirken: sie sind doch technisch aufgebaut und maschinell ausgearbeitet. Das Material "Holz" ist dafür
die einzig mögliche Materialwahl: Wir verwenden bei der Arbeit mit Holz das Innere des Baumes und schaffen
daraus neue Oberflächen.
Der Philosoph Rilke fragt:
"Ist es möglich, dass man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der
Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, dass man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin
etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so dass sie aussieht, wie die
Salonmöbel in den Sommerferien?
Ja, es ist möglich." aus "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"
Zeigt Euch, Menschen! Wie sieht es in uns aus?
 

Vertebra cervicalis VII, „prominens“, Vollholz Buche, Diabas und Edelstahl (H 65 x B 60 x T 45) geölt, gewachst.

Der unterste der sieben Halswirbel zeichnet sich mit seinem langen Dornfortsatz im Nacken
besonders dann ab, wenn man den Kopf nach vorne neigt.
Die Anordnung von Gelenkflächen (zu den angrenzenden Wirbelkörpern), Öffnungen und
Dornfortsatz sind außerordentlich ansprechend. Außerdem wollte ich die Funktion und die
lebensbedrohliche Zerbrechlichkeit der Halswirbelsäule darstellen. Auch wenn die „Bruchstellen“
zwischen den Wirbeln kopfwärts liegen.

Mallei, 2013, Vollholz Ulme (H 95 x B 80 x T 30) geölt, gewachst
Der „Hammer“ leitet den Schall im Mittelohr als erstes der der Gehörknöchelchen vom
Trommelfell zum „Amboss“ weiter. Natürlich ist in der Natur nur ein Hammer auf jeder Seite des Kopfes.
Durch die direkte Gegenüberstellung bekommt das Objekt wesenhafte Züge, wird lebendig.
 

Cartiliago Thyoroidea, 2013, Vollholz Riegelahorn und Edelstahl

(H 110 x B 45 x T 55) geölt, gewachst
Die stilisierte Abbildung des Schildknorpels aus der laufenden Reihe „innere Schönheit“ ist
beispielhaft für die umwerfende Schönheit natürlichen Designs, das wir in uns tragen. Was für
Formen, welch wunderbare Linienführung! Der Schildknorpel stellt eine entscheidende Struktur bei
der Stimmbildung dar.